frau an ringen

Jeder Sport ist für jeden?

Darf er das? Wie kann sie nur? Wir leben in Zeiten einer hyper-sensiblen Gesellschaft. Geschlechtsstereotypen spielen da ganz vorne mit, vor allem im Sport.
Der heutige Blog Beitrag soll allerdings nicht die Fragen wieso, weshalb, warum klären, sondern in Interviewform die andere, positive Seite der Medaille beleuchten. Denn es findet ein Umdenken in den Köpfen statt, welches für ein Aufräumen in den Gedankenschubladen sorgt.

Sweat and Joy

Die OneFit Familie wächst unaufhaltsam und somit auch ihre Diversität. Und ganz egal was der Einzelne für persönliche Ziele verfolgen mag, es gibt eine Gemeinsamkeit, die wir alle teilen: Den Spaß an Bewegung.
So langsam tut sich was in den Köpfen der Menschen. Es geht nicht mehr nur um Looks und Muckis. Immer mehr Leuten ist es einfach wichtig, sich in ihrem Körper wohl zu fühlen. Sport als Ausgleich zum Alltag auszuüben, statt sich an einem Leitbild zu orientieren, welches das Training zu einem Zwang werden lässt. Und da ist es ganz egal, ob man als Frau 100kg drückt, oder als Mann den Booty beim Tanzen schwingt. Hauptsache Spaß!

Fragen über Fragen

Diese Theorie habe ich natürlich nicht irgendwo aus der Luft gegriffen. Da ich in der Uni gelernt habe, dass man solche Thesen auch belegen sollte, habe ich mir drei meiner Team Kollegen geschnappt und sie zu dem Thema befragt. Eins war mir allerdings wichtig: Ehrlichkeit. Geschönte Wir-sind-alle-gleich-und-toll-Antworten entsprechen meist nicht der Realität. Sonst gäbe es ja schließlich keine Probleme mehr, richtig?


Findet ihr, dass Männer und Frauen die gleichen sportlichen Bedürfnisse haben?
Larissa: Unabhängig vom Geschlecht hat jeder verschiedene sportliche Bedürfnisse, die sich meiner Erfahrung nach permanent ändern und anpassen. Die sportlichen Bedürfnisse sind definitiv Typ-abhängig und durch Vorlieben, Interessen, Ehrgeiz oder auch das soziale Umfeld geprägt. Zusätzlich spielen externe Faktoren, wie die aktuellen Trends und Hypes der Medien eine bedeutende Rolle. Sie beeinflussen die Bedürfnisse. So wurden zum Beispiel Yogatrend, Boulder-Hype oder auch die EMS-Innovation gepusht. Heutzutage gibt es ein extremes Überangebot und wir als Konsumenten haben auf der einen Seite Bedürfnisse, die standhaft sind und bleiben und auf der anderen Seite Bedürfnisse, die neu erfunden und entdeckt werden.
Mousti: Nein, das denke ich nicht. Wenn man das geschlechterspezifisch sieht, wollen viele Männer ja auch bestimmte Muskelgruppen trainieren, auf die sich viele Frauen nicht fokussieren (möchten). Deshalb gibt’s für Männer ja auch klassisches Brust- und Bizeps- und für Frauen Bauch-Beine-Po Training. Oft ist es ja auch so, dass Männer eher sichtbare Muskeln aufbauen und Frauen eher fit und schlank sein wollen. Ob diese Schönheitsideale so richtig sind, ist eine andere Frage.
Lucas: Ich glaube, dass das Bedürfnis der Männer eher in Richtung Körperästhetik geht. Frauen hingegen sind Selbstverwirklichung, Achtsamkeit und Ausgeglichenheit wichtig.

Welche Sportarten sind für dich “typisch männlich”?
Larissa: Meiner Meinung nach gibt es in jedem Kopf noch Klischees und Vorurteile. Als typische Sportarten für Männer würde ich beispielsweise Speerwerfen, Kugelstoßen, American Football, Boxen etc. bezeichnen. Ich kann mir vorstellen, dass es hier vergleichsweise mehr männliche Vereinsmitglieder gibt als weibliche.

Welche Sportarten sind für euch “typisch weiblich”?
Mousti: Typisch weiblich sind meiner Meinung nach Sportarten wie Yoga, Ballet und Tanzen, besonders Voguing, TwerkFit und Afro. Außerdem auch Step Aerobic und Zumba.
Lucas: Ich würde Volleyball und Tanzen sagen.

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Gibt es für euch Sportarten, die vom anderen Geschlecht nicht ausgeübt werden können bzw. sollten?
Larissa: Historisch und anatomisch gesehen, gibt es immer noch einen Gender Gap. Frauen wurde erst viel später erlaubt, gewisse Sportarten auszuüben und auch heutzutage können Frauen – bezogen auf den Leistungssport – in manchen Disziplinen noch nicht mit den Rekorden der Männer mithalten. Auch wenn sie es noch nicht können, erlaubt ist es und heutzutage dürfen wir das ausüben, was wir wollen und das ist auch gut so!
Mousti: Ich finde, jede*r sollte die Sportart ausüben, in der er*sie sich wohl fühlt, egal ob die Sportart eher weiblich oder eher männlich belastet ist. Anatomisch gesehen ist das eine andere Frage. Männer sind zum Beispiel seltener so beweglich wie Frauen. Dafür haben sie von Natur aus einen höheren Muskelanteil im Körper.
Lucas: Nein. Ich kann mir jedes Geschlecht bei jeder Sportart vorstellen!

Habt ihr euch selbst schon mal dabei erwischt, wie ihr darüber geurteilt habt?
Larissa: Klar… Trotz gestiegener Toleranz denke ich mir manchmal: „Ach krass, das macht Frauen Spaß?“ Zum Beispiel beim Frauenboxen. Mir ist bewusst, dass ich darüber urteile. Trotzdem akzeptiere ich es und würde es nicht schlecht reden. Klischees und Vorurteile im Sport sind sehr stark von der generellen Gender Equality und der Rolle der Frau in dem jeweiligen Land bzw. der Kultur abhängig. Akzeptanz und Toleranz sind ein gesellschaftlicher Prozess.
Zum Glück ist er, aufgrund der Gleichstellung der Geschlechter in unseren westlichen Staaten, schon relativ weit fortgeschritten, aber noch lange nicht beendet.
Mousti: Leider ja und viel zu oft. Aber auch nur, weil unser Weltbild noch zu sehr in Schubladen steckt. Und da erwischt man sich leider viel zu oft dabei, wie man Menschen, die dieser Norm nicht entsprechen, unbewusst mustert.
Lucas: Ja, beim Yoga teilweise. Teilweise auch beim Ballett, wenn Männer in eine bestimmte Rolle schlüpfen.

Was denkst du über Männer, die Yoga praktizieren?
Larissa: Vollkommen ok. Vor allem in unserer heutigen Leistungsgesellschaft ist Yoga ein toller Ausgleich und hilfreich für Männer, die beruflich sehr gefordert werden und unter Stress stehen.

Was denkt ihr über Frauen, die Gewichte stemmen?
Mousti: Prinzipiell finde ich, jede Frau sollte machen, worauf sie Lust hast. Da geht es immer darum, das richtige Maß zu finden. Deshalb finde ich übertrainierte Frauen genauso unästhetisch, wie übertrainierte Männer.
Lucas: Find ich geil! Genau das sollten sie machen. Nicht nur, weil mir das persönlich gefällt. Eine Frau, die mehr Muskeln hat, verbrennt mehr Kalorien und trainiert damit ihren Körper. Auch präventiv gesehen. Deswegen sollte dieser Irrglaube, dass Frauen nicht schwer trainieren sollten, abgeschafft werden!

Hättest du Bedenken, an einem Box Kurs teilzunehmen?
Larissa: Nein – wenn ich darauf Lust hätte, würde ich es machen.

Würdet ihr an einem Tanzkurs (z.B. Pole Dance) teilnehmen?
Mousti: Ich persönlich schon, weil ich inzwischen sehr offen bin was Geschlechterrollen angeht. Damals hätte ich definitiv nein gesagt, weil ich versucht habe, als Mann auch nur männliche Sportarten auszuprobieren. Was aber völliger Quatsch Ist, denn die Muskulatur liegt nicht nur oberflächlich, sondern ebenfalls viel tiefer im Gewebe. Und diese tiefliegende Muskulatur wird unter anderem oft beim Tanzen trainiert.
Lucas: Klar, ausprobieren würde ich es! Ich trainiere selbst teilweise im Bereich Calisthenics. Dafür braucht man genau die Kraft, um sich an der Stange halten zu können. Ein extremes Ganzkörpertraining.

Würdet ihr sagen, dass die Sportbranche diskriminiert?
Larissa: Wie zuvor schon angemerkt, ist es nicht grundsätzlich die Sportbranche, sondern vorrangig die Gesellschaft. Wenn in einem Land bzw. einer Kultur Gender Equality ein zentrales und wichtiges Thema ist, färbt dies auch auf die Sportbranche ab. Aber klar – die Sportbranche ist heutzutage noch weit entfernt von einer Gleichstellung: Männliche Leistungssportler bekommen oft mehr Geld als Frauen. Frauen bekommen andere Sportregeln und leichtere Sportgeräte (z.B. ist der Basketball 2g leichter – glaube ich). Es gibt zahlreiche reine Männersportvereine etc.
Mousti: Ja, das würde ich so sagen. Klar ist das Bild der Norm in der Gesellschaft entstanden. Es wird aber in der Sportbranche auch so gelebt. Und anstatt, dass die Studios versuchen diese Norm zu brechen, machen sie es mit ihrem Geschlechter-stereotypischen Angebot nur schlimmer. Die Sportbranche als Spiegel unserer Gesellschaft zwingt die Menschen dazu, sich zu definieren und zu kategorisieren. Viel schöner und entspannter wäre es doch, wenn man kein Thema daraus machen müsse.
Lucas: Meiner Meinung nach nicht mehr. Es hat sich ziemlich viel in der Branche verändert. Im Fußball allerdings bleiben die Vorurteile bestehen.

man stretching

Gab es schon mal eine Situation, in der ihr euch unwohl gefühlt habt?
Larissa: Na klar, passiert einem immer mal wieder. Besonders, wenn man ehrgeizig ist und etwas nicht auf Anhieb hinbekommt. Aber ich bin da relativ schmerzfrei und finde es ok, sich auch mal zu „blamieren“.
Mousti: Ich habe damals mit Hip Hop angefangen und war in einer reinen Mädchenformation. Damit war ich die Lachnummer der Schule, weil mir so meine Männlichkeit abgeschrieben wurde. Mich hat es leider auch so sehr beeinflusst, dass ich kurze Zeit später damit aufgehört habe. Daraufhin habe ich mich in einem Fußballverein angemeldet, weil das bis heute noch als total männlich gilt. Auch wenn ich nie Spaß am Fußball hatte, bin ich zwei Jahre lang regelmäßig zum Training gegangen. Einfach weil ich gemerkt habe, dass das für niemanden ein Problem ist. Sondern, dass man sogar total gut damit ankommt. Ich hab mich also jahrelang in einem Sport gequält, auf den ich keine Lust hatte. Nur, weil die Menschen um mich herum mir dank des Fußballs meine Männlichkeit wieder zugeschrieben haben.


Jeder Sport ist für jeden!

Halten wir also fest: Es ist noch einiges zu tun. Doch ganz egal ob Weiblein, Männlein, Transgender, Einhorn, oder einfach Mensch, macht das worauf ihr Bock habt. Denn am Ende des Tages seid ihr die einzigen, die sich ein Urteil über euch erlauben dürfen.
Verbote, Klischees und Stereotypen sind negative Aspekte, die aus einer längst vergangen Zeit zurückgeblieben sind und überdacht werden müssen. Es ist euer Körper und ihr entscheidet, was ihm gut tut. Geht liebevoll mit euch um – Positive Vibes only!


Zur Autorin

Jaci ist OneFit Bloggerin, eine absolute Bewegungsliebhaberin und ab jetzt regelmäßig für uns unterwegs, um das riesige Angebot in Köln für euch genauer unter die Lupe zu nehmen. Einblicke in unsere Partnerstudios, Berichte zu Events und allem, was sich hinter den Kulissen bei OneFit Köln so abspielt.

Jaci Blogger Profil

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